Colour Me

Colour Me
Copyright photo / foto Katharina Mayer

Color Me is a durational, silent performance grounded in presence, ritual, and self-observation. The artist sits at a table facing the spectators. Between them: a small mirror, black and white make-up, soft sponges, and moist wipes. No music, no spoken words, no documentation. The performance unfolds entirely in the here and now.

Wearing a Nigerian dress and headwrap made from funeral cloth worn at the burial of her father, the artist situates her body within a deeply personal and cultural context of mourning. In Nigerian tradition, the immediate family wears garments sewn from the same fabric—women and men alike—as a visible sign of collective grief and belonging. The dress thus becomes both garment and archive, carrying memory, loss, and lineage.

Slowly and deliberately, the artist applies black and white make-up to her face. Vertical strokes cross the bridge of her nose; horizontal lines mark her eyes. The colors are layered, wiped away, mixed, reapplied. Sometimes the paint is removed almost entirely, sometimes it is smeared into shades of grey. The face becomes a surface of repetition and revision—a site where identity is not fixed but continuously negotiated.

The gestures are restrained and inward-looking. The artist does not perform for effect; she performs for herself, while allowing herself to be witnessed. The spectator sits opposite her, close enough to perceive breath, hesitation, and micro-movements. Silence intensifies attention. Time stretches. The act of painting and erasing becomes meditative, almost devotional.

Black and white here do not function as opposites, but as lived realities tied to the artist’s dual heritage. Their interaction speaks of tension, intimacy, conflict, and coexistence. The repeated wiping with moist tissues introduces care and tenderness—an undoing without erasure, a refusal of finality.

At the end of the performance, the artist gently cleans her face, looks into the mirror, and smiles. The smile is quiet, inward, unresolved. It marks neither conclusion nor resolution, but a moment of self-recognition. The audience has not observed a spectacle, but shared a fragile, unrepeatable presence.

By consciously refusing video or photographic documentation, Color Me resists capture and consumption. The work exists only in memory—in the bodies of those present. It is an act of trust, vulnerability, and insistence on lived experience over representation.


Color Me – wie Farbe ist eine zeitbasierte, stille Performance, die in Präsenz, Ritual und Selbstbeobachtung verwurzelt ist. Die Künstlerin sitzt an einem Tisch den Zuschauern gegenüber. Zwischen ihnen: ein kleiner Spiegel, schwarze und weiße Schminke, weiche Schwämmchen und Feuchttücher. Keine Musik, keine Sprache, keine Dokumentation. Die Performance existiert ausschließlich im Hier und Jetzt.

Die Künstlerin trägt ein nigerianisches Kleid mit passendem Kopftuch, gefertigt aus jenem Stoff, den sie bei der Beerdigung ihres Vaters trug. In Nigeria ist es Tradition, dass die unmittelbare Familie – Frauen wie Männer – Kleidung aus demselben Stoff trägt, als sichtbares Zeichen gemeinsamer Trauer und Zugehörigkeit. Das Kleid wird so zu einem Träger von Erinnerung, Verlust und familiärer Geschichte.

Langsam und konzentriert trägt die Künstlerin schwarze und weiße Schminke auf ihr Gesicht auf. Senkrechte Linien verlaufen über die Nase, horizontale über die Augen. Die Farben werden geschichtet, verwischt, entfernt und erneut aufgetragen. Manchmal verschwindet die Farbe fast vollständig, manchmal vermischt sie sich zu Grautönen. Das Gesicht wird zur Oberfläche von Wiederholung und Revision – ein Ort, an dem Identität nicht festgeschrieben, sondern immer wieder neu ausgehandelt wird.

Die Gesten bleiben zurückhaltend und nach innen gerichtet. Die Künstlerin performt nicht, um zu gefallen, sondern für sich selbst – und lässt sich dabei betrachten. Die Zuschauer sitzen ihr nah gegenüber, nah genug, um Atem, Zögern und kleinste Bewegungen wahrzunehmen. Das Schweigen schärft die Aufmerksamkeit. Zeit dehnt sich. Das Auftragen und Abwischen wird zu einer meditativen, beinahe hingebungsvollen Handlung.

Schwarz und Weiß erscheinen hier nicht als Gegensätze, sondern als gelebte Realitäten einer doppelten Herkunft. Ihr Zusammenspiel spricht von Spannung, Nähe, Konflikt und Koexistenz. Das wiederholte Abwischen mit Feuchttüchern bringt Fürsorge und Zärtlichkeit ins Spiel – ein Rücknehmen ohne Auslöschen, eine Verweigerung von Endgültigkeit.

Am Ende der Performance reinigt die Künstlerin behutsam ihr Gesicht, blickt in den Spiegel und lächelt. Dieses Lächeln ist leise, nach innen gerichtet, offen. Es markiert keinen Abschluss, sondern einen Moment der Selbstbegegnung. Das Publikum hat kein Spektakel gesehen, sondern eine fragile, nicht wiederholbare Präsenz geteilt.

Durch den bewussten Verzicht auf Foto- oder Videoaufnahmen entzieht sich Color Me – wie Farbe der Fixierung und Verwertung. Die Arbeit existiert ausschließlich in der Erinnerung – in den Körpern der Anwesenden. Sie ist ein Akt von Vertrauen, Verletzlichkeit und der bewussten Entscheidung für gelebte Erfahrung statt Repräsentation.


Color Me – Performance, make-up, mirror, sponges, moist wipes, Nigerian funeral garment / Performance, Schminke, Spiegel, Schwämmchen, Feuchttücher, nigerianisches Trauergewand – dimensions variable / Maße variabel, 5min, 2022

The photograph was created after the performance with Katharina Mayer as a quiet visual echo.

Das Foto entstand nach der Performance in Zusammenarbeit mit Katharina Mayer als leiser bildlicher Nachhall.